Nachruf auf Professor Dr. med. Uwe Piepgras, Homburg/ Saar

Zuletzt aktualisiert: Montag, 4. Dezember 2017
Prof. Dr. med. Uwe Piepras © Wikipedia Am 25. November 2017 starb Uwe Piepgras, em. o. Prof. Dr. med., ehemaliger Direktor des Instituts für Neuroradiologie der Universitätskliniken des Saarlandes in Homburg im Alter von 84 Jahren. Uwe Piepgras wurde am 28. Februar 1933 in Bad Bramstedt in Schleswig-Holstein geboren. Nach der Schulzeit absolvierte er sein Medizinstudium in Freiburg und Düsseldorf. Während der anschließenden Medizinal-Assistentenzeit in der Chirurgie, in der Inneren Medizin und in der Gynäkologie promovierte er 1960 an der Christian-Albrechts-Universität Kiel mit der Schrift „Die intraoperative Endoskopie der Gallenwege“.

Nach der Bestallung als Arzt 1961 setzte er zunächst seine klinische Weiterbildung an der I. Medizinischen Universitätsklinik in Kiel mit einer internistisch-neurologischen Ausbildung fort. 1963 wechselte Dr. Piepgras in die zugehörige Röntgenabteilung zu Professor Friedrich Heuck, dem er 1964, nachdem sein Interesse an der Radiologie geweckt war, an das Katharinenhospital der Stadt Stuttgart folgte. 1967 erfolgte die Anerkennung als Arzt für Radiologie und noch im selben Jahr die Ernennung zum Oberarzt. Hier in Stuttgart wurde dann der Grundstein für seine neuroradiologische Entwicklung gelegt, bereits zwei Jahre später, 1969,  wechselte Dr. Piepgras jedoch an die Universitätskliniken in Homburg/Saar als Leiter der Abteilung für Neuroradiologie.  Drei Jahre später wurde er zum Direktor dieser Abteilung bestellt. Prof. Piepgras ist einer der wenigen deutschen Neuroradiologen mit der Anerkennung als Arzt für Nuklearmedizin, die er 1982 erwarb. Diese Spezialisierung erklärt die zahlreichen neuroradiologisch-nuklearmedizinischen Arbeiten innerhalb seines wissenschaftlichen Werks.

Die vergangenen fünf Jahrzehnte waren gekennzeichnet von einer unglaublichen, nicht nur technisch bedingten Entwicklung der diagnostischen Neuroradiologie. Diese Entwicklung umfasst die Angiographie, die Pneumencephalographie, die Zisternographie, Computertomographie bis hin zur Kernspintomographie. Uwe Piepgras hat die Entwicklung der verschiedenen Untersuchungstechniken beeinflusst und mitgeprägt und gehörte zusammen mit seinen Mitarbeitern zu den Pionieren der modernen Neuroradiologie in Deutschland.



In diesem Umfeld hat Prof. Piepgras zahlreiche Kollegen ausgebildet und gefördert und auf diese Weise die deutsche Neuroradiologie nachhaltig gestärkt. Dabei erhielten seine Schüler und Mitarbeiter durch ihn nicht nur ihre fachliche Prägung. Sein freundliches, gradliniges und verlässliches Wesen, das mit fachlicher Kompetenz und mit wissenschaftlicher Unbestechlichkeit einherging, hat sicherlich viele seiner Weggefährten nachhaltig beeinflusst.  Die Weitergabe des Wissens war ihm immer von Bedeutung. So erschien 1977 das deutschsprachige Standardwerk der Neuroradiologie von Uwe Piepgras im Thieme Verlag in der Röntgenreihe von Walter Frommhold. Neben zahlreichen Publikationen zu verschiedenartigen Themen der Neuroradiologie blieb ein Schwerpunkt seines wissenschaftlichen Interesses die Messung der Hirndurchblutung. Diese Thematik wurde in Vorarbeiten zu seiner Habilitation 1971 mit dem Titel “Die Messung der Hirndurchblutung mit einer angiokinematographisch-densitometrischen Methode. Technik und erste Ergebnisse“ aufgegriffen und über die Jahre auf andere Untersuchungsmethoden, wie SPECT, Xenon-CT, Perfusions-CT und Kernspintomographie ausgedehnt.

Ein klinisch-wissenschaftlicher Schwerpunkt lag über viele Jahre bei den Phakomatosen und so ist es nicht verwunderlich, dass 1984 die synoptische Monographie der neurokutanen Systemerkrankungen erschien. In übersichtlicher Weise sind schwerpunktmäßig die radiologischen Aspekte dieser teilweise sehr seltenen Erkrankungen mit eindrucksvollen Bildbeispielen zusammengestellt.

Soviel persönliches Engagement und unermüdliche Identifikation mit der Neuroradiologie geht dann auch einher mit Ämtern und Ehren. Zwischen 1973 und 1987 war Uwe Piepgras Schriftführer und von 1988 bis 1990 umsichtiger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie. 1976 wurde er mit der Ausrichtung der Jahrestagung der DGNR betraut. Von 1985 bis 1990 war er Präsident des Berufsverbands Deutscher Neuroradiologen. Auch international blieb sein Talent für Leitungsfunktionen nicht verborgen. Von 1981 ab bekleidete er verschiedene Funktionen bei der Europäischen Gesellschaft für Neuroradiologie, zuletzt als Vize-Präsident von 1990 bis 1993.
Nicht unerwähnt bleiben sollten mehrere Ehrenmitgliedschaften in der Griechischen Gesellschaft für Radiologie seit 1992, in der Nordamerikanischen Gesellschaft für Radiologie (RSNA) seit 1994, in der Schweizerischen Gesellschaft für Neuroradiologie seit 1997 und in der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie seit 2010.


Am 31. Januar 2000 emeritierte Herr Prof. Dr. Piepgras als Direktor des Instituts für Neuroradiologie am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg, war danach aber noch bis 2007 als Leiter der Neuroradiologie am International Neuroscience Institute (INI) in Hannover tätig, um danach endgültig in den Ruhestand zu gehen.
Mit großem Respekt bedauern wir den Tod von Herrn Prof. Dr. Piepgras, unserem Lehrer, Mentor und Freund und werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.


Für die Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie e.V.
Prof. Dr. Arnd Dörfler
Präsident

Für den Berufsverband Deutscher Neuroradiologen e.V.
Prof. Dr. Werner Weber
Präsident

Für das Institut für Neuroradiologie am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg
Prof. Dr. Wolfgang Reith
Direktor der Klinik




Den Nachruf verfasste der langjährige Weggefährte Prof. Piepgras‘, Prof. Dr. Thomas Hagen, Mitglied des Vorstands des BDNR und niedergelassener Neuroradiologe in Augsburg.