Nachruf auf Prof. Dr. med. Hans Hacker (1930–2022)

Am 13.03.2022 ist Prof. Dr. med. Hans Hacker im Alter von 92 Jahren verstorben.


Er wurde als Sohn eines Kaufmanns am 02.11.1930 in Hannover geboren, wo er auch zur Schule ging. Sein Medizinstudium absolvierte er in Freiburg im Breisgau, Paris und München, wo er 1956 promovierte. Assistenzarzt war er in München bei Kurt Decker, an der Harvard Medical School Boston und in Freiburg bei Richard Jung. 1964 übernahm er die Leitung der Röntgenabteilung der Neurochirurgischen Klinik der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main. Er habilitierte sich dort 1969, erhielt 1971 die Professur für Neuroradiologie und wurde Direktor der Abteilung für Neuroradiologie des Zentrums Radiologie des Universitätsklinikums.


Dort wurde bereits 1974 durch seine Initiative der erste Computertomograph in Deutschland in Betrieb genommen. Richtungsweisende Entwicklungen, wie die dynamische Computertomographie, publiziert als „time-controlled computed tomographic angiography“, wurden von ihm im Selbstversuch weltweit erstmalig durchgeführt. Zahlreiche Kolleginnen und Kollegen aus dem In- und Ausland erhielten bei ihm ihre neuroradiologische Ausbildung.


Auf nationalen und internationalen Kongressen mit neuroradiologischer Thematik war er fast immer anzutreffen Auch den damals deutlich jüngeren Kollegen fiel er nicht nur durch seine große Statur auf. Durch seine kritischen, innovativen Referate und nicht zuletzt durch sein multilinguales Talent war er ein geschätzter Referent. Seine wissenschaftlichen Arbeiten befassten sich schwerpunktmäßig mit dem Venensystem des Gehirns, mit der Vergrößerungsangiographie, mit Subtraktionstechniken und mit der Computertomographie. In der Frankfurter Arbeitsgruppe wurde 1979 erstmals der „Fogging Effekt“ beim zerebralen Schlaganfall beschrieben. Er war ein Visionär, der sehr früh das Potential der Magnetresonanztomographie für die Diagnostik von Erkrankungen des Gehirns und der funktionellen MRT für neurowissenschaftliche Untersuchungen erkannt hat. So stand der Magnetresonanztomograph seines Institutes tagsüber den Patienten zur Verfügung, während nachts viele heute sehr angesehene Neurowissenschaftler an dem Gerät wissenschaftlich arbeiten konnten.


Hans Hacker war der erste Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR) deren Jahrestagung er 1971 in Frankfurt am Main ausrichtete. Auch fungierte er 1973 als Präsident des 4. Kongresses der Europäischen Gesellschaft für Neuroradiologie, der ebenfalls in Frankfurt am Main stattfand. 1991 organisierte er dort den Europäischen Kurs für Neuroradiologie. Er war nationaler Delegierter Deutschlands in der Europäischen Gesellschaft für Neuroradiologie, ferner war er über viele Jahre hinweg für die Vergabe des Kurt Decker-Preises der DGNR federführend verantwortlich.


Als einer der bekanntesten deutschen Neuroradiologen befasste er sich immer wieder mit berufspolitischen Angelegenheiten, um die Neuroradiologie als eigenständige Disziplin durchzusetzen. Eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit war sein besonderes Anliegen, weshalb er auch zu den Gründungsmitgliedern der Zeitschrift Klinische Neuroradiologie gehörte. Die Zeitschrift (heute Clinical Neuroradiology) entwickelte sich in der Folge zu einer der führenden neuroradiologischen Zeitschriften mit dem mittlerweile zweithöchsten Impact factor weltweit in dieser Fachkategorie. Für seine vielfältigen Verdienste um die deutsche und europäische Neuroradiologie wurde Hans Hacker u.a. mit der Ehrenmitgliedschaft der Deutschen und 1999 der Europäischen Gesellschaft für Neuroradiologie (ESNR) ausgezeichnet.


Das Engagement und Interesse Hans Hackers beschränkte sich aber nicht nur auf die Medizin und Neurowissenschaften. So verband ihn eine große Leidenschaft mit neuer zeitgenössischer Musik, deren aktiver Förderer er über viele Jahre hinweg in Frankfurt und Umgebung war. Bereits in frühen Jahren besuchte er regelmäßig die berühmten internationalen Ferienkurse für Neue Musik in Darmstadt.


Wir danken Hans Hacker für seine engagierte, vielfältige Tätigkeit auf dem Gebiet der Neuroradiologie und werden ihm ein ehrendes Gedenken bewahren. Seiner Ehefrau Dr. Inge Hacker, seinen Kindern und Enkelkindern gilt unser herzliches, tiefempfundenes Beileid.


Hartmut Becker        Elke Hattingen        Claus Zimmer