Berlin, 06 . Mai 2026. Anlässlich des Tags gegen den Schlaganfall am 10. Mai weist die Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie e.V. (DGNR) gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Interventionelle Radiologie und Minimalinvasive Therapie (DeGIR) auf die anhaltend hohe Bedeutung der mechanischen Thrombektomie in der Versorgung hin: In Deutschland erleiden jährlich rund 270.000 Menschen einen Schlaganfall. Aktuelle Auswertungen des DeGIR -/DGNR-Interventionsregisters zeigen, dass sich die Zahl der minimalinvasiven Eingriffe weiterhin auf hohem Niveau bewegt.
19.181 Thrombektomien im Jahr 2025
Im Jahr 2025 wurden bundesweit 19.181 mechanische Thrombektomien dokumentiert (2024: 18.891). An der Datenerhebung beteiligten sich 338 Kliniken, insgesamt wurden 28.018 neurovaskuläre Rekanalisationen im Register erfasst. Diese Zahlen verdeutlichen die zentrale Rolle der interventionellen Neuroradiologie in der modernen Schlaganfallversorgung.
Gezielte Therapie für ausgewählte Patientengruppen
Nicht jeder Schlaganfall ist für eine mechanische Thrombektomie geeignet. Schätzungen zufolge kommt das Verfahren bei etwa 8 bis 10 Prozent der Patientinnen und Patienten infrage – insbesondere bei Verschlüssen großer hirnversorgender Gefäße.
Die mechanische Thrombektomie ist ein minimalinvasives Katheterverfahren : Über die Leistenarterie wird ein dünner Katheter bis in die hirnversorgenden Gefäße vorgeschoben. Dort wird das Blutgerinnsel mit speziellen Instrumenten entfernt, um den Blutfluss wiederherzustellen.
„Die mechanische Thrombektomie ist heute ein fester Bestandteil der Schlaganfalltherapie“, sagt Professor Dr. Peter Schramm, Präsident der DGNR und Neuroradiologe am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck.
Zeitfaktor entscheidend für den Behandlungserfolg
Bei einem ischämischen Schlaganfall wird ein Blutgefäß im Gehirn durch ein Gerinnsel blockiert. Die Wiederherstellung des Blutflusses ist entscheidend, um Folgeschäden zu begrenzen. Neben der mechanischen Thrombektomie stehen auch medikamentöse Verfahren wie die Lysetherapie zur Verfügung, die je nach Befund und Zeitfenster eingesetzt werden.
„Für den Behandlungserfolg ist entscheidend, dass Patientinnen und Patienten schnell in geeignete Zentren gelangen“, so Prof. Schramm. „Nur wenn Diagnose und Therapie ohne Verzögerung erfolgen, lassen sich die Chancen auf ein gutes Outcome verbessern.“
Interdisziplinäre Versorgung und qualifizierte Ausbildung
Die Behandlung von Schlaganfällen erfolgt in enger Zusammenarbeit mehrerer Fachdisziplinen. Radiologinnen und Radiologen sowie Neuroradiologinnen und Neuroradiologen übernehmen dabei zentrale Aufgaben in der schnellen Bildgebung, Therapieentscheidung und Durchführung minimalinvasiver Eingriffe.
Um eine hohe Behandlungsqualität sicherzustellen, haben die Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR), die Deutsche Gesellschaft für Interventionelle Radiologie und minimalinvasive Therapie ( DeGIR ) sowie die Deutsche Röntgengesellschaft (DRG) gemeinsam ein strukturiertes Ausbildungskonzept entwickelt.
Seit 2014 wird auf dieser Grundlage ein Zertifizierungsprogramm für interventionelle Radiologinnen und Radiologen sowie Neuroradiologinnen und Neuroradiologen angeboten. Es definiert verbindliche Qualitätsstandards und ist eng mit der Stroke-Unit-Struktur der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) verzahnt.
Registerdaten als Grundlage für Qualität und Weiterentwicklung – „Deutschlandkarte“ hilft bei der Zentren-Suche
Das DeGIR -/DGNR-Interventionsregister liefert eine wichtige Datengrundlage für die Bewertung und Weiterentwicklung der Versorgung. Die standardisierte Erfassung der Eingriffe ermöglicht es, Entwicklungen sichtbar zu machen und die Qualität der Behandlung kontinuierlich zu überprüfen.
Ergänzend bietet die DeGIR -/DGNR-Zentrenkarte eine bundesweite Übersicht über spezialisierte Behandlungszentren und macht die Versorgungsstrukturen transparent: https://degir.de/degir-dgnr-zentren/
Über die Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR)
Die Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie e. V. (DGNR) ist die zentrale Fachgesellschaft für Neuroradiolog:innen im deutschsprachigen Raum. Gegründet wurde die DGNR 1967 und ist mit circa 2.000 Mitgliedern die größte neuroradiologische Organisation Europas. Angesichts eines dynamisch wachsenden Fachs mit ständig neuen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten setzt sich die DGNR für eine starke berufspolitische Vertretung sowie die kontinuierliche Fort- und Wei-terbildung ihrer Mitglieder ein. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung evidenzbasierter Leitlinien sowie dem interdisziplinären Austausch mit anderen medizinischen Disziplinen. Auf dem jährlich stattfindenden Kongress neuroRAD bringt die DGNR nationale und internationale Expert:innen zusammen, um aktuelle Entwicklungen in der Neuroradiologie zu diskutieren und neue Impulse für Klinik, Forschung und Praxis zu geben. Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Interventionelle Radiologie und minimal-invasive Therapie (DeGIR) stellt die DGNR mit ihren Mitgliedern die minimalinvasive Versorgung bei Schlaganfallpatient:innen und -Patienten in Deutschland sicher.