Berlin, im Juli 2026. Die aktuellen Daten des gemeinsamen Qualitätssicherungsregisters von DeGIR und DGNR zeigen für 2025 einen deutlichen Anstieg minimalinvasiver Eingriffe an der Halsschlagader: 5.623 Karotisstent-Implantationen wurden durchgeführt – 1.266 mehr als 2024 (4.357 Eingriffe). Gleichzeitig blieb die Erfolgsrate auf sehr hohem Niveau und stieg sogar leicht: 5.219 von 5.623 behandelten Gefäßverengungen (93 %) konnten erfolgreich beseitigt werden (2024: 92 %).
Diese Versorgungsdaten unterstreichen die wachsende Bedeutung minimalinvasiver Katheterverfahren – also der Wiedereröffnung verengter Gefäße mithilfe feiner Katheter. Zusammen mit den Ergebnissen der CREST-2-Studie liefern sie wichtige Erkenntnisse für die Behandlung der asymptomatischen hochgradigen Karotisstenose – einer meist unbemerkten, aber risikobehafteten Verengung der Halsschlagader – und rücken minimalinvasive Verfahren stärker in den therapeutischen Fokus.
Aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR) und der Deutschen Gesellschaft für Interventionelle Radiologie und minimalinvasive Therapie (DeGIR) unterstreichen die Daten insbesondere die Relevanz des Carotis-Stentings (CAS) als evidenzbasierte, minimalinvasive Option zur Schlaganfallprävention im Vergleich zur alleinigen intensiven medikamentösen Therapie.
CREST-2: Neue Evidenz für die Behandlung asymptomatischer Karotisstenosen
Die CREST-2-Studie umfasst zwei randomisierte Studien mit insgesamt über 2.400 Patientinnen und Patienten mit hochgradiger asymptomatischer Karotisstenose. Untersucht wurde, wie häufig es nach der Behandlung zu Schlaganfällen oder Todesfällen kommt – entweder kurz nach dem Eingriff oder innerhalb von vier Jahren auf der betroffenen Seite der Halsschlagader.
In der Stent-Studie lag die Ereignisrate nach vier Jahren bei 2,8 % unter Karotisstentimplantation plus medikamentöser Therapie gegenüber 6,0 % unter alleiniger medikamentöser Behandlung. Damit zeigte sich eine signifikante Risikoreduktion zugunsten des minimalinvasiven Verfahrens. Nach der periprozeduralen Phase war auch die jährliche Schlaganfallrate deutlich niedriger.
Im Gegensatz dazu zeigte die parallele Studie zur operativen Ausschälung der Halsschlagader keinen statistisch signifikanten Vorteil gegenüber der alleinigen medikamentösen Therapie. „CAS verhindert Schlaganfälle bei Patienten mit asymptomatischer Karotisstenose im Vergleich zur alleinigen Medikamentenbehandlung“, betont PD Dr. Wiebke Kurre, Chefärztin der Radiologie und Neuroradiologie am Klinikum Passau. „Die Daten der CREST-2-Studie zeigen, dass minimalinvasive neurointerventionelle Verfahren bei stringenter Indikationsstellung, standardisierten Abläufen und hoher Interventionsqualität eine wichtige Rolle in der modernen Schlaganfallprävention einnehmen.“
Minimalinvasive Verfahren gewinnen therapeutisch an Bedeutung
Die aktuellen Daten zeigen die wachsende Rolle minimalinvasiver Katheterverfahren in der Schlaganfallprävention – auch vor dem Hintergrund einer alternden Bevölkerung. Karotisstentimplantationen ermöglichen eine effektive Behandlung ohne offen-operativen Zugang am Hals und mit potenziell kürzeren Krankenhausaufenthalten.
„Minimalinvasive Verfahren bieten bei geeigneter Indikationsstellung eine sehr wirksame und zugleich schonende Option der Schlaganfallprävention – und gewinnen therapeutisch zunehmend an Bedeutung“, sagt PD Dr. Wiebke Kurre.
Mit ihrer gemeinsamen Personenzertifizierung und dem DeGIR-DGNR-Register haben die Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR) und die Deutsche Gesellschaft für Interventionelle Radiologie und minimal-invasive Therapie (DeGIR) zentrale Instrumente der Qualitätssicherung etabliert und tragen damit wesentlich zu einer qualitätsgesicherten Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Karotisstenose in Deutschland bei.
Literatur
Brott TG et al., New England Journal of Medicine, 2026: CREST-2-Studie zur Behandlung der asymptomatischen Karotisstenose. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41269206/
Über das DeGIR-Register
Das DeGIR-Register ist ein bundesweites Qualitätssicherungsregister der Deutschen Gesellschaft für Interventionelle Radiologie und minimalinvasiven Therapie (DeGIR) und der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR). Mehr als 300 Kliniken dokumentieren hier standardisiert ihre interventionellen Eingriffe. Im Jahr 2025 wurden über 230.000 Interventionen erfasst, darunter knapp 40.000 neurovaskuläre Eingriffe. Weitere Informationen unter www.degir-register.de
Über die Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR)
Die DGNR ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft für Neuroradiologie in Deutschland und vertritt rund 2.000 Mitglieder. Sie engagiert sich für die Weiterentwicklung diagnostischer und minimalinvasiver Verfahren sowie für Qualitätssicherung und Fortbildung. Gemeinsam mit der DeGIR stellt sie die minimalinvasive Schlaganfallversorgung in Deutschland sicher.
www.dgnr.org